Seite 1 _ Geschichte
Seite 2 _ Planungen
Seite 3 _ Bürgerbeteiligung
Seite 4 _ Status / Fertigstellung
     
    Geschichte:
Der heutige Wilhelm-Leuschner-Platz blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Alles begann im Jahr 1547 südlich vom Peterstor, einem von mehreren Zugängen in die Stadt Leipzig, als auf einem nördlichen Teilstück der ehemaligen, abgebrannten südlichen Petersvorstadt, ein freies Schussfeld eingerichtet wurde und zu deren Befestigungsanlagen der Stadt Leipzig gehörte. 1778 erfolgte durch Johann Carl Friedrich Dauthe die Planierung des Areals und es wurde ein rechteckiger Platz angelegt, den eine Baumreihe umlief, und den Namen „Esplanade“ erhielt. 1780 wurde ein Denkmal zu Ehren Friedrich August von Wettin, unter anderem „August der Gerechte“, aufgestellt, dass 1937 in den Garten des Gohliser Schlösschens überführt wurde, jedoch ohne Sockel. Mit den Jahren befanden sich um den Platz verschiedene Häuser. Westlich und südlich des Platzes gab es zwei- und dreigeschossige Barockhäuser mit Zwerchgiebel. Ein bekanntes Haus war beispielsweise das „Künstnersche Haus“. Schließlich bekam der Platz im Jahre 1839 den Namen „Königsplatz“, der mittlerweile von allen Seiten, bis auf die Nordseite (Promenadenring, Martin-Luther-Ring), dicht bebaut war. Um 1846 war das Königsdenkmal von einem Pappelrondell umgeben und 1864 war die Anlage so umgebaut, dass es nun ein langgestrecktes Oval mit zwei Baumreihen gab. 1864 beschloss die Stadt, das Neue Theater auf dem Platz zubauen, um ihn aufzuwerten, doch der Plan scheiterte, da der Architekt es am Augustusplatz haben wollte. Über ein Jahrzehnt später, 1879, wurde der Platz mit einer Halle für eine Kunstgewerbeausstellung bebaut. Am Roßplatz (nordöstlich vom Königsplatz) wurden zum Beispiel in den Jahren 1883 bis 1884 das Panorama (Restaurant und Ausstellungsfläche für Panoramabilder), 1889 das Café Bauer und 1889 bis 1891 die Markthalle errichtet. Die barocken Häuser an der Ostseite erhielten Schaufenster und Aufstockungen und die Westseite (Areal Nonnenmühlgasse) durch den Abriss der alten Gasthöfe fünfgeschossige Neubauten, wie der Münchner Hof und das Hotel Royal. Am 04.03.1896 eröffnete am Königsplatz 15 Leipzigs erstes Warenhaus, das „Warenhaus Ury“, das 1913 bis 1914 zu einem Sechsgeschosser mit Lichthof umgebaut wurde. 1921 wurde wieder eine provisorische Messehalle errichtet, die nur kurze Zeit bleiben sollte, aber schließlich bis 1932 den Platz bedeckte. Ein amerikanischer Investor wollte auf dem Königsplatz einen Messepalast, der östlich und westlich mit Messehäusern verbunden ist und Straßendurchfahrten bekommen sollte, bebaut werden. Doch der Rat der Stadt weigerte sich. 1933 rief die Stadt Leipzig einen Architektenwettbewerb zur Neugestaltung aus, an dem sich 80 Architekten beteiligten. Der Siegerentwurf von Kurt Schwarze sah einen großzügigen Platzraum vor, der von straffen Platzwänden mit einheitlicher Simshöhe und mit einem Bodenbelag aus hellen und dunklen Steinen versehen ist. In der Mitte des Platzes sollte eine Säule eine zentrale Betonung erhalten. Die Meinungen schwankten zwischen den Themen zur Messe-, Buch- und Stadtgeschichte und einer nationalsozialistischen Freiheitssäule. Jedoch passte das Königsdenkmal nicht mehr ins Konzept, das ohnehin zu klein für den großen Sockel geraten ist und schließlich 1935 in den Garten des Gohliser Schlösschens versetzt wurde. Die Baumreihen wurden schon mal entfernt, doch aus Geldmangel wurde der Entwurf nie umgesetzt.

Im Zweiten Weltkrieg in der Nacht vom 03.12. auf den 04.12.1943 wurden die Häuser auf der West- und Ostseite und die Eckgebäude der Südseite zerstört und später abgerissen. Die Mauern der Markthalle standen noch und wurden dann in den 1950er Jahren abgebrochen. Lediglich das Grassimuseum (heutige Stadtbibliothek) blieb verschont.

Mit sofortiger Wirkung wurde der Königsplatz am 01.08.1945 in „Wilhelm-Leuschner-Platz“ umbenannt, einem NS-Widerstandskämpfer, der auch zur Gruppe des Attentats am 20.07.1944 auf Adolf Hitler gehörte, und im selben Jahr im Berliner Volksgerichtshof hingerichtet wurde.

Seit 70 Jahren eine Brachfläche:
Der Wilhelm-Leuschner-Platz und das ehemalige Markthallenviertel blieben bis heute – seit 73 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg – eine Brachfläche. Die Markthallenstraße ist mit ihrem Kopfsteinpflaster noch vorhanden, ebenso die Brüderstraße. Auch ein Zugang in den Keller der Markthalle ist noch möglich. Seit den 1950er Jahren wird das Areal als Parkplatz genutzt. Mitte der 1990er Jahre bis 2001 stand ein Parkhaus auf dem Platz, dass danach demontiert und neu im Krankenhaus St. Georg aufgestellt wurde. 1975 wurde ein Fußgängertunnel eröffnet, der den Wilhelm-Leuschner-Platz mit der TRAM-Haltestelle und der Altstadt/Petersstraße verband und 2005 geschlossen und abgerissen wurde, da unter ihm eine S-Bahn-Station des City-Tunnel Leipzig-Projekts gebaut wurde. Mit einem Neubau gäbe es weiterhin eine Unterführung, die beide verbindet, um einen Zugang zur Straßenbahn und zur S-Bahn zu ermöglichen. Doch aus Kostengründen wurde der Plan verworfen. Unterhalb der Haltestelle befanden sich ein Zeitschriften- und kleiner Lebensmittelladen. 1987 entstand in und auf einem alten Umspannwerk ein Bowlingcenter, das großen Zuspruch hatte, aber 1997 geschlossen werden musste und seitdem verwahrlost. Auf dem Areal wuchsen Gras, Sträucher und Bäume. Knapp zehn Jahre war der Wilhelm-Leuschner-Platz komplett vom Bauprojekt City-Tunnel Leipzig eingenommen und nicht betretbar. Erst mit der Einweihung der neuen Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn im Dezember 2013 ist er wieder für die Öffentlichkeit betretbar, wurde jedoch größtenteils von einem grünen Zaun eingesperrt, der ein Jahr später wieder abgebaut wurde.

     
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