Seite 1 _ Geschichte
Seite 2 _ Planungen
Seite 3 _ Bürgerbeteiligung
Seite 4 _ Status / Fertigstellung
     
    Der Lindenauer Hafen:
Zwischen Lyoner Brücke und Luisenbrücke befindet sich nördlich und südlich der Elster-Saale-Kanal, dazwischen der Lindenauer Hafen, der zwischen 1938 und 1943 errichtet wurde. Geplant waren zwei Umschlag-Hafenbecken und zwei Industriehafenbecken. Umgesetzt wurde nur das Umschlagbecken I mit einer Länge von 1000 Metern, einer Breite von 70 Metern und einer Tiefe von 6 Metern, gegenüber sollten das Umschlagbecken II und das Industriehafenbecken III folgen. Vorgesehen war ein jährlicher Güterumschlag von 600.000 Tonnen. 1941 entstanden, als die erste Ausbaustufe zur Hälfte fertig war, mehrere Speicher. Diese nutzte unter anderem die Firma M.R.A. Schneider, die Ölfrüchte einlagerten und Presskuchen aus der Speiseölherstellung verarbeiteten. 1964 wurde die Hälfte des Gebäudes durch eine Explosion zerstört. Den genauen Grund kennt man nicht. Davor wurde in den 1970er Jahren ein Stahlgebäude für die Hopfenverarbeitung errichtet, bis 1989 betrieben und später abgerissen. Kriegsbedingt mussten die Bauarbeiten dann 1943 eingestellt werden und wurden bis heute nicht wieder aufgenommen. Die vorhandenen Speicher konnten bis in die 1990er Jahre komplett genutzt werden. Heute betreibt noch einen Speicher die LeiKra, die eines der führenden Mischfutterhersteller in Sachsen ist. Am Lindenauer Hafen dockte aber nie ein Schiff an, denn der Hafen wurde beidseitig nie ans Wasserstraßennetz angeschlossen. Bis 2015 war er 72 Jahre lang Deutschlands einziger Hafen ohne Anbindung und ohne Hafennutzung. Durch die Einweihung der Gewässerverbindung zwischen Karl-Heine-Kanal und Lindenauer Hafen am 02.07.2015 ist dies nun Geschichte. Wer weiter möchte, muss an der Lyoner Brücke weiterhin sein Boot umtragen.

Der Elster-Saale-Kanal:
Bereits Otto der Reiche von Meißen, der Leipzig im Jahr 1165 das Stadt- und Messerecht verlieh, war für eine Wasseranbindung an die Saale. Die Messestadt lag zwar an den zwei Weltbedeutenden Handelswegen via regia und via imperii, doch wegen des fehlenden Anschlusses an die Weltmeere, war sie als Wirtschaftsstandort auch teuer. Danach folgten weitere hohe Personen, wie zuletzt der sächsische König, Friedrich August III., der 1799 die Planung einer Wasserverbindung zwischen Leipzig und Saale und Unstrut veranlasste. Die Napoleonischen Kriege machten 1805 bis 1815 einen Strich durch die Rechnung und das Bauprojekt wurde nicht mehr verfolgt. Dr. Ernst Carl Erdmann Heine, ein großartiger Industriepionier in Leipzig, vom Beruf Rechtsanwalt und Unternehmer, aber auch Stadtrat, brachte die Wasserverbindung wieder ins Spiel und stellte sie in den Mittelpunkt der Leipziger Wirtschaftsentwicklung. Die Stadt Leipzig beteiligte sich finanziell nicht und Karl Heine übernahm allein die Kosten. Der Plan war nun, einen Kanal – den Elster-Saale-Kanal – zwischen der Weißen Elster über einen großen Umschlaghafen mit der Saale zu errichten und so an die Weltmeere anzuschließen. Die Bauarbeiten begannen im Jahre 1856 und endeten 1893 nach 2600 Metern vor der Luisenbrücke (Lützner Straße( und mehrere über 600 Meter vor dem Hafen. Nördlich davon ging der Elster-Saale-Kanal mit einer Länge von 19 Kilometern weiter, der in einem Regierungsabkommen von 1920 als „Südflügel des Mittellandkanals“ bezeichnet wird, mit dessen Bauarbeiten 1933 gestartet wurde. Mit einer Breite zwischen 32 und 37 Metern sowie einer Tiefe von 3,50 Metern war der Kanal für den zweischiffigen Betrieb und den damals modernsten 1000 t-Kanalschiffen ausgelegt. Es waren bis zu 2000 Arbeiter im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme auf der Baustelle und sie galt 1934 als eine der größten Bauprojekte im Deutschen Reich. Bis 1936 gingen die Bauarbeiten voran, der aufrüstungsbedingte Arbeitskräftemangel wurde durch schwere Baumaschinen ausgeglichen, doch durch die beschleunigte Fertigstellung des Mittellandkanals wurden die Arbeiten am Elster-Saale-Kanal immer mehr verringert. Bis 1938 konnten mehrere Stahl-Fachwerk-Straßenbrücken und zwei Straßenunterführungen fertiggestellt werden, einige Bauwerke wurden auch unvollendet belassen. Da die Saale zehn Meter tiefer als der Elster-Saale-Kanal liegt, musste ein Schleusenbauwerk in Wüsteneutzsch (Sachsen-Anhalt) errichtet werden. Zum Einsatz kam eine Schleusentreppe mit zwei Schleusenbecken (heute würde man ein Schiffshebewerk errichten, das man damals auch in Betracht zog, aber wegen der damals hohen Störanfälligkeit und des für den Krieg benötigten Stahls, wurde sich dagegen entschieden), die jeweils eine Länge von 85 Metern, eine Breite von 12 Metern und eine Tiefe von 3 Metern haben sollten. Errichtet wurde nur ein Bauwerk. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs verzögerten sich die Kanalbauarbeiten immer mehr und wurden schließlich 1942 eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte man etwa ein dreiviertel der Pläne umgesetzt. Nach dem sogenannten Endsieg der Nationalsozialisten sollte es weitergehen, doch daraus wurde nichts. 11 von 19 Kilometern wurden fertig errichtet und 1939 geflutet. 5,5 Kilometer sind teilweise ausgeschachtet und enden in der Nähe von Günthersdorf (Sachsen-Anhalt). In der DDR gab es Interessierte, das Bauprojekt zu vollenden, doch es scheiterte. Mehrere Akteure, darunter auch die Städte Halle und Leipzig, wollen den Ausbau für den Tourismus fortsetzen. Doch die bereits ausgehobenen Flussbette sind längst ein Biotop geworden und stehen unter Naturschutz.

Der Karl-Heine-Kanal, wie der Elster-Saale-Kanal zwischen Weiße Elster und Lindenauer Hafen nun heißt, wurde in den 1990er Jahren saniert und am nördlichen Ufer ein Geh- und Radweg angelegt, der im Jahr 1996 von der damaligen Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel eingeweiht wurde. Maßgeblich die Stadt Leipzig, einige Stadträte und der Verein „Wasser-Stadt-Leipzig e.V.“ arbeiten seit den 1990er Jahren daran, den Karl-Heine-Kanal mit dem Lindenauer Hafen, diesen mit dem Elster-Saale-Kanal und diesen wiederum mit der Saale zu verbinden, um den Tourismus in Leipzig und Halle sowie den beiden Bundesländern auszubauen.

     
    _ zurück zum LINDENAUER HAFEN
_ zurück zu
QUARTIERE